Laurentiuskirche / Kirche Goldbach PDF Drucken E-Mail

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Zuerst einmal ist die Kirche ein Gebäude. In Liebstedt ist sie wohl nicht das Älteste, jedoch das, welches bisher die meisten Menschen in verschiedensten Situationen ihres Lebens aufgesucht und bewahrt haben.

Als im Jahr 956 Liebstedt mit Oßmannstedt von Otto dem I. an das Kloster Quedlinburg verschenkt wurde, gab es sicherlich ein Kirche in Liebstedt, jedoch lässt sich nicht mehr genau sagen, wo sich diese befand. 1222 errichtete der Deutsche Orden hier ein Ordenshaus und 43 Jahre später wurde eine Burgkapelle geweiht. In ihr stand ein Altar auf dem der Heilige Laurentius abgebildet war. Laurentius wurde später auch Schutzpatron der Liebstedter Kirche.

Die heutige Laurentiuskirche wurde im 18. Jahrhundert gebaut, nachdem ihr Vorgängerbau 1742 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Der Bau zog sich 26 Jahre hin. Während dessen wurde die Orgel, die 1728 gebaut wurde, in der Dorfschule zu Liebstedt zwischen gelagert.

Die Laurentiuskirche ist ein schlichtes Gebäude von 16,1 m Länge und einer Breite von 11,00 Metern. Die Kanzel ist aus dem 18. Jahrhundert und erhebt sich hinter dem Altar bis zur Decke der Kirche. Am 12. Juni 1768 wurde der sie eingeweiht. Der Kanzelbau wurde von dem Bildhauer Kalkhof aus Kölleda anfertigt. Auf beiden Seiten sind Engelsfiguren zusehen. Die Sinnbilder in ihren Händen symbolisieren Gesetz (Stab des Mose und die Tafeln mit den 10 Geboten) und Evangelium (Kreuz und Kelch). Über dem Schalldeckel der Kanzel ist ein barocker Aufsatz mit Wolkenbildern und Engelsköpfen zu sehen in dessen Mitte das Strahlendreieck angebracht ist. Auf diesem steht mit hebräischen Buchstaben des unaussprechbare Gottesname. Für Anfertigung des Altars zahlte die Kirchgemeinde damals 130 Taler.
1887 erhielt die Kirche ein neues Geläut. Die drei Glocken wurden von der Glockengießerei Ulrich gegossen. Im Turm der Kirche fanden sie aber erst 1939 ihren Platz. Er wurde erst zu dieser Zeit gebaut. 1942 wurden die beiden großen Glocken aus dem Turm genommen und für Kriegszwecke abgeliefert. Heute hat Liebstedt noch die kleine Bronzeglocke und zwei Stahlglocken, die anlässlich der 1000 Jahrfeier 1956 von der Apoldaer Firma Schilling& Lattermann gegossen wurden. Seit 2004 wird das Geläut elektrisch betrieben.

In den 70 und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gerieten Turm, Kirchendach und somit auch das Kircheninnere mehr und mehr in den Verfall. 1983 fasste der Gemeindekirchenrat einen grundlegenden Beschluss zu Sanierung der Kirche. Die Mangelwirtschaft des DDR Systems erschwerte oftmals die Baumaßnahmen. Aber mit Unterstützung vieler Gemeindeglieder und Einwohner Liebstedts, der Gemeindeverwaltung, sowie der Partnergemeinde Untermünkheim und Enslingen (Baden-Württemberg) konnte dieses Vorhaben umgesetzt werden. 1989 wurden Kirchturm und Dach wieder instand gesetzt. Anfang der 90iger Jahre konnte durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde die Kirchhofmauer saniert und die alte Kirchturmuhr durch eine moderne Funkuhr ersetzt werden. Nach dem die Arbeiten im Kircheninneren mit dem neu geschaffenen Gemeinderaum im Eingangsbereich ihren Abschluss fanden, feierten die Liebstedter am 30 November 1998 die Wiedereinweihung der St. Laurentziuskirche mit einem Festgottesdienst.
Pfarrer Sparsbrod wurde in diesem Gottesdienst als Pfarrer des Kirchspiels Oßmannstedt in sein Amt eingeführt. In diesem Gottesdienst waren auch Pastorin Ahr und Pfarrer Determann und Pfarrer Krause anwesend. Beide Pfarrer hatte großen Anteil an der langjährigen Sanierung der Kirche.

In diesem Zusammenhang muss der große Einsatz von Harald Winzer hervorgehoben werden. Seiner Beharrlichkeit und Organisation ist es besonders zu verdanken, dass die Kirche heute wieder in so einem guten Zustand ist.

Auch die Kirche in Goldbach wurde mit viel Einsatz saniert. 2002 haben sich die Ev.-Luth. Kirchgemeinden Goldbach und Liebstedt zu einer Kirchgemeinde zusammen geschlossen.

Die Kirche ist nicht nur ein Gebäude, sondern auch die Gemeinde, die zum Gottesdienst in der Kirche zusammen kommt. Diese blieb natürlich den vergangen Jahrzehnten nicht untätig. Seit 1956 wurden 213 Personen in Liebstedt und Goldbach getauft, 269 konfirmiert und 81 Paare getraut. Menschen aus Liebstedt und Goldbach haben zu verschiedensten Anlässen und Abschnitten ihres Lebens immer wieder in ihren Kirchen Station gemacht. Treue musikalische Begleitung erfährt die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Liebstedt und Goldbach in den Gottesdiensten oftmals durch das Blasorchester „Die Lindenberger“ und den Liebstedter Volkschor. Seit 2003 bereichert wieder eine Orgel das musikalische Leben in der Kirche. Da das alte Instrument nicht wieder spielbar gemacht werden konnte, ist eine neue  Kisselbachorgel angeschafft worden. Kinder- und Gemeindeveranstaltungen finden regelmäßig in dem Gemeinderaum statt, der im Eingangsbereich eingebaut wurde und auch als Winterkirche genutzt wird.

 

Durch die veränderte kirchliche Situation unserer Thüringische Landeskirche, gehört die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Liebstedt und Goldbach derzeit zum Pfarramt Oßmannstedt, in dem viele Kirchgemeinden sich einen Pfarrer teilen müssen. Die Arbeit von Ehrenamtlichen Mitarbeitern ist wichtiger denn je geworden. Seit der Reformation entdeckte die Kirche in unseren Lutherischen Kirchgemeinden wieder die grundlegende Bedeutung vom Priestertum aller Gläubigen und meint damit dass jeder mit seinen Gaben und Ideen in seiner Kirchgemeinde gewollt und gefragt ist. Das Priestertum aller Gläubigen hat sich in den vergangenen Jahren durch das Engagement des Gemeindkirchenrates und der vielen Ehrenamtlichen Helfer verwirklicht und vertieft. Die Kirche muss in den beiden Dörfern Liebstedt und Goldbach im Dorf bleiben, dazu braucht sie Menschen, die für sich selbst und für ihre Familien immer wieder nach Gott fragen, ihn in ihr Leben mit hinein nehmen und ihm Raum geben mit ihnen zu gehen. Dafür möchte ich Mut machen, denn nur so kann die Kirche in den Dörfern Goldbach und Liebstedt lebendig bleiben.